Die Aktion aus dem Jahr 2010: Das Bubble-Streetview-Auto auf der Demonstration "Freiheit statt Angst". In diesem Jahr hatte no drama, der undramatische Block neben Seifenblasen auch Erdbeereis dabei.

Vielfältige Identitäten im Netz: Uns gefällt das

Wir leben im Internet. Was das bedeutet, ist auch im Jahr 2011 noch öffentlich zu verhandeln. Sicher ist aber: Die Zeiten, in denen der "Pass der edelste Teil des Menschen" (Brecht) ist, werden interessanter. In einem potenziell unendlich großem Raum gibt es keinen Grund, die Identität eines Menschen an nur einen einzigen Datensatz binden, denn der Speicherplatz ist so unbegrenzt wie die Vielfalt menschlicher Lebensformen.

Das Internet könnte helfen, den Zwang zu bestimmten Geschlechterrollen, die Hierarchisierung zwischen den vorhanden Rollen und andere an vermeintliche Identitäten gebundene Diskriminierungen zu überwinden. Pseudonyme sind dabei hilfreich. Wir müssen nicht erst Dissidenten aus repressiven Regimen ungefragt für unsere (mit vielen Privilegien verbundene) Sache einbinden, um eine Selbstverständlichkeit der Netzkultur zu fordern: Freie Wahl der Identität in sozialen Netzwerken wie Google+ und Facebook!

Die Seifenblasenpolitik der Datenschutzbeauftragten, die Boykottaufrufe blubbern anstatt Machtfragen zu stellen, lehnen wir ab. Die Datenschutzbeauftragten wären zuständig, Facebook und Google in die Schranken zu weisen - zum Beispiel durch Bußgelder. Die Aufforderung, dass man, insbesondere staatliche Stellen, seine Fanseiten aus Facebook abziehen soll, ist genau so unpolitisch und populistisch wie Ilse Aigners Seifenblasenpolitik im letzten Jahr.

Daten für alle — und zwar umsonst!

Datenschutzbeauftragte sind auch für Informationsfreiheit zuständig, nicht nur für die Verhinderung von Informationsfluss. Der Staat sollte sich Bürgerinnen und Bürgern auf vielen Kanälen öffnen. Mit dem erhobenen Zeigefinger gegen die amerikanische Firma Facebook, während gleichzeitig Vorratsdatenspeicherung und Geheimverträge wie zur Berliner Wasserversorgung vorangetrieben werden, zeigt sich vor allem eins: "Datenschutz" für den Standort Deutschland ist als nationale Ideologie längst hegemonial.

Die Debatte zeigt, dass Datenschutzbeauftragte den Bereich Informationsfreiheit nicht fertig denken und stattdessen polemische Kampagnen im Stil von Ilse Aigner machen. Dabei geht es uns nicht um die Verteidigung des Datensilos Facebook — Open Data ist untrennbar mit dem Open Web verbunden. Wir wollen ein selbstbestimmtes Leben im Netz jenseits von Zuckerberg und Peitsche.

Deswegen fordern wir:

gez. der undramatische Block